Homunculus | MC
MC HOMUNCULUS

13 Songs 1994
Ausverkauft











01 Amsterdam {Lyrik}

In Berlin mal wieder alles grau
Und keinen Stoff, und keine Frau
Draußen Regen, drinnen kalt
Und nichts zu rauchen, und keinen Halt

Was macht man in so einem Moment
Man leckt sich die Zähne und öffnet sich das Hemd
Man greift sich an die eigene Brust
Und denkt daran, ich muß, und denkt daran, ich muß

Mal wieder nach Amsterdam fahr'n
Mal einfach so über'n Damm karr'n
Schwarzen grünen gelben weißen
Ich hoff', das Geld reicht noch für was zu beißen
Ich hoff', das Geld reicht noch für was zu beißen

Und ist man dann erstmal da
Mit leerem Magen und wirrem Haar
Dann packt es Dich bei Deinem Schopf
Es setzt sich fest im Kopf, es setzt sich fest im Kopf

Und wenn ich dann einen dreh'
Schmeckt noch viel besser der Kaffee
Alle Knoten ham' sich aufgelöst
Meine Seelen sind entblößt, meine Seelen sind entblößt

Und ich werde wieder nach Amsterdam fahr'n ...


02 Maria {Lyrik}

Ich war noch jung an Jahren
Als ich Dich zum ersten Mal traf
Obwohl ich Dich nicht kannte
Sprach ich doch mit Dir
Es war Dein süßer Atem
Der mich für Dich gewann
Ein Augenblick ward ewig
Als ich in Deinen Armen lag

Maria, Maria, Maria Huana
Maria Huana

Mit Dir war ich ein Käpt'n
Der alle Wellen brach
Der selbst den Stürmen trotzte
Weil ein Rausch den Lärm verbarg
Es war nicht nur ein Atem
Der mich für Dich gewann
Die Luft im Raum erstarrte
Und das Bild von mir zerrann
Ich war noch jung an Jahren
Als ich Dich zum ersten Mal traf
Obwohl ich Dich nicht kannte
Sprach ich doch mit Dir
Es war wie ein offener Himmel
Der alle Zweifel in sich sog
Die Sterne sind zu greifen


03 Abgestand’nes Bier {Lyrik}

Draußen weht ein kalter Wind
Die Zeitung lügt, das weiß doch jedes Kind
Trotzdem kaufst Du Dir ein Morgenblatt
Mal seh'n, wer heut' verloren hat

Jetzt bist Du alt und aufgebraucht
Und über Deinem Gürtel hängt ein schlaffer Bauch
Dein Lächeln hast du längst verschenkt
Und Deine Eitelkeit ist meist gekränkt

Aber laß' doch den alten Mist, das ist doch so egal
Schau nicht mehr zurück, abgestand'nes Bier schmeckt schal
Ja ja ja laß' doch den alten Mist, das ist doch so egal
Schau nicht mehr zurück, abgestand'nes Bier schmeckt schal

Ein Leben kurz, ein Warten lang
Du stellst Dich immer noch hinten an
Bist Du dann endlich vorne dran
Weißt Du nicht mehr, was Du willst

Denkst Du immer noch, das muß so sein
Trinkst Du immer nur den selben Wein
Dein Ofen ist doch seit Jahren kalt
Und ohne Führung hast du keinen Halt

Aber lass' doch den alten Mist ...

Jetzt endlich wird es Dir zu bunt
Packst Deine Sachen, verschenkst Dein' Hund
Irgendwo im weiten Land
Baust Du wieder neu auf Sand

Und so gehst Du über Berg und Tal
Erleidest jede Menschenqual
Statt Dich mal einfach umzuschauen
Hast Du Angst, es könnt' Dir die Beine weghauen?

Aber laß' doch den alten Mist


04 Lirum Larum {Lyrik}

Lirum Larum Löffelstiel, fresst ihr Leut und fragt nicht viel
Tretet leis und schaut nicht dumm, geht vorbei und hinten rum

Biegt das Mark und färbt das Hirn
hängt ein Brett vor Eure Stirn
Lirum, Larum Löffelstiel, zählt bis drei und aus das Spiel

Gebt den Dingen kein Gewicht, zeigt nicht Farbe noch Gesicht
Nehmt nicht Teil und bleibt am Rand, wisst von nichts und wascht die Hand

Biegt das Mark und färbt das Hirn
hängt ein Brett vor Eure Stirn
Lirum, Larum Löffelstiel, zählt bis drei und aus das Spiel, aus das Spiel

Putzt die Zähne und die Schuh, lasst die Götter ja in Ruh
Lernet fleißig und gehorcht, die braunen Kinder bringt der Storch

Biegt das Mark und färbt das Hirn
hängt ein Brett vor Eure Stirn
Lirum, Larum Löffelstiel, zählt bis drei und aus das Spiel, aus das Spiel

05 Spinne {Lyrik}

Im Labyrinth meine Sinne
Da haust eine Spinne
So ein garstig Getier
Mit lüsterner Gier
Es nährt sich vom Saft der erschlaffenen Kraft
Durchwebt alles Denken, will in die Sucht dich lenken

Es knebelt den Willen, um die Sehnsucht zu stillen
Gestohlene/gelangweilte Träume und dem Wolfe im Zaume
Durchtriebeneer Tag, selbst die Wünsche werden karg
Von Sattheit ist nur Laster getrieben

Das Fleisch ist geschunden und die Liebe verschwunden
Das Fleisch ist verschwunden und die Liebe geschunden
Das Fleisch ist geschunden und die Liebe verschwunden
Das Fleisch ist verschwunden und die Liebe geschunden

06 Beutelschneider {Lyrik}

Einst war ich noch ein werter Mann
Hatte Frau und Heim doch dann
Kam ein Mann mit dickem Bauch
Und mit goldnen Ketten auch
Er legte meine Frau in Ketten
Ich konnte grad mein Leben retten
Seitdem bin ich vogelfrei
Das Unrecht ist mir einerlei...ja

Es kann ja nicht nur Gewinner geben
Und wer zu spät kommt, dem bestraft das Leben
Jemand muss dafür bezahlen
Mit Schrecken und mit Qualen

Es folgte eine schwere Zeit
Kein Braten, keine schöne Maid
Bis ich einen Einfall hatt’
Ich mach die dicken Männer platt
Seitdem bin ich auf der Jagd
Nach allem, was dicken Bäuche hat
Mit einem flinken Messerstich
Erlöse ich den armen Wicht...denn

Fortan lebte ich wirklich gut
Schwelge fast in Übermut
So dass mir gar ein Bauch schon wächst
Doch ich weiß, es ist verhext
Man schimpft mich einen Lumpenhund
Verkennt mir meinen Ehrengrund
Ich halte nur das Gleichgewicht
Ohne mich die Welt zerbricht ... denn

07 Nja, Nja, Nja {Lyrik}

Katja liebte große Worte, denn sie war von einer Sorte
Konnte hoch im Bogen spucken und mit beiden Ohren zucken

Nja, Nja...

Katjas Vater war ein Pferdehändler, der nebenbei auch Reiten lernte
Überstunden zehn Kopeken, Katja musste Pferde pflegen

Nja, Nja...

Katja zog sie nur am Zügel, denn sie liebte nur Geflügel
Pferde hielt sie unbescheiden, haute sie auf beiden Seiten

Nja, Nja...

Doch die kleinen Pferde bissen, Katjas Knochen nun zerrissen
Ihre Kleider auch begannen, dieses schöne Lied zu sangen

Nja, Nja...

08 Liebe {Lyrik}

Es gibt keine Liebe auf dieser Welt
Es ist der Traum, der uns gefällt
Es gibt nur Lüge, Gier und Haß
Und viele Tränen dick und naß
Es gibt keine Liebe auf dieser Welt
Es ist der Traum, der uns gefällt
Es gibt nur Triebe, Gier und Haß
Und viele Tränen dick und naß

Er war noch jung, g'rad dreizehn Jahr
Da verließ die Mutter den Papa
Mutter sagte: Sohn, oh h ör' mir zu
Laß' die Mädchen bloß in Ruh'

... denn er wußte noch nicht:

Es gibt keine Liebe ...

Doch konnt' er nicht von ihnen lassen
Tat nach ihnen flehen, greifen, fassen
Er sprach von Liebe bunt verziert
Er war von Träumen irritiert

...doch

Es gibt keine Liebe ...

So konnt' sein Ziel er nie erreichen
Mußte alles mit seinem Traum vergleichen
Er war vom Whisky bald verroht
Und rief ganz laut in seiner Not:

Es gibt keine Liebe ...


09 Das Glas ist leer {Lyrik}

Das Glas ist leer, das Licht ist aus
Gleich schmeißt der Wirt mich wieder raus
Er wird nur traurig schnaufen, wenn er mich zu Türe schleift
Das Glas ist leer, das Licht ist aus

Ich werde wieder durch die dunklen Straßen geh'n
Und in den Sternen alte Bilder seh'n
Nur wenn ich besoffen bin, bin ich eins mit dieser Welt
Und manchmal gar ein Märchenheld

Einst war ich noch ein Gaukler morgenschön
Ich konnt' mich an den Leuten wohlergeh'n

Ich trug ein rotes Stirneband und war ein Don Quichotte
Doch heute trifft mich nur der Spott

Ja diese Zeit ist wohl vorbei
Und ich will nicht denken an Vergangenheit
Irgendwann werd' ich es schaffen, ich verlasse diese Zeit
Und find' sie wieder, meine Herrlichkeit


10 Kanapee {Lyrik}

Ich hab' Dich im Wald getroffen
Es war an einem Regentag

Du hast mich angesprochen
Dein Blick war fest und stark

Du nahmst mich an Deine Seite
Du nahmst mich an Deine Hand
Ich brauchte Dir nur zu folgen
In Dein Sommer-Sonnen-Land

Du warst ein Gott, Du warst ein Tier
Du warst mein gieriger Vampir
Und es tat nicht mal weh
Auf diesem fleckigen Kanapee
Es tat nicht mal weh
Auf Deinem fleckigen Kanapee

Schon Deine Augen strahlten Hoffnung
Wie ein stolzer Stern
Ich hatte wieder feuchte Hände
Du hattest gar meine Socken gern

Ich war wie Butter in Deinen Fingern
Und Du packtest meine Glieder
Ich wehrte mich kaum
Und schon bald zwangst Du mich nieder
Und find' sie wieder, meine Herrlichkeit

Du warst ein Gott ...

Ich war ein Fisch in Deinem Wasser
Ich wollte nie mehr von Dir geh'n
Doch Du warst ein Fluß
Und Dein Meer war im entsteh'n

Du warst ein Gott ...


11 Troubadour {Lyrik}

Ich bin ein verkannter Troubadour
Und meinem Schatten auf der Spur
Der Lauf der Sonne ist mein Kompass
Und ich finde keine Ruh
Ich geh jetzt meinen Weg bis es nicht weiter geht
Ich will jetzt endlich wissen,wo mein Stern steht

Und vor mit wilde See
Und hinter mir ruhiges Land
Der Weg allein ist schon das Ziel
Ich hab ein Zeichen in meiner Hand

Auch Jesus ging ins Licht
Wieso kann ich das nicht?
Wieso blendet mich ein Lächeln?
Wieso vernebelt es meine Sicht?
Aber ich geh jetzt meinen Weg
Bis es nicht weiter geht
Bin kaum da, muss ich fort dorthin
Wo mein Schatten steht, wo mein Schatten steht

Und ich geh durch Berg und Tal
Mein Verhängnis ist sakral
Die Berge wanken unter meinem Schritt
Und mein Gipfel scheint immer so nah
Doch ich geh jetzt meinen Weg
bis es nicht weiter geht
Ich will jetzt endlich wissen,wo mein Stern steht
12 Tod {Lyrik}

Liebe Brüder könnt ihrs Glauben
Gestern bei dem Saft der Trauben
Stellt euch mein Entsetzen für
Gestern kam der Tod zu mir

Drohend schwang er sein Hippe
Drohend sprach das Furchtgerippe
Fort du alter Baccusknecht
Fort du hast genug gezecht

Lieber Tod sprach ich mit Tränen,
solltest du dich nach mir sehnen
sieh, da steht ein Glas für dich,
lieber Tod verschone mich

lächelnd neigt er sich zum Glase
lächelnd trank er’s auf der Base,
auf der Pest Gesundheit leer,
lächelnd stellt er’s wieder her

Lieber Tod ich will auf Erden
Gern ein Mediziner werden
Tod und ich verspreche dir
Meine Kranken halb dafür

(Lessing)
13 Immer wieder {Lyrik}

Mein Name ist egal, mein Blutdruck ganz normal
Ich kämpf' den Kampf des täglichen Bestehens
Wenn ich zu Arbeit geh', über Stock und Stein, durch Schnee
Dann treibt mich nur der Hunger und die Wut
Mein Chef ein schräger Wicht, diktiert mir eine Pflicht
Die täglich seine Taschen füllt
Und wenn ich nicht parier', wie ein Hündchen apportier'
Dann bleibt für mich nur der Bettelsack

...doch Immer immer immer immer wieder
Steh' ich morgens auf und leg mich abends nieder
Immer immer immer immer wieder
Stell' ich mich einem neuen Tag

Ich schufte wie ein Stier, hinter mir der Vampir
Er wartet nur auf ein kleines Mißgeschick schick schick
Und stoß' ich mir den Kopf, das Blut, es spritzt und tropft
Scheint die Sonne, als wäre nichts geschehen

...doch Immer immer immer immer wieder ...

Dann endlich das Signal, vorbei der Stunden Qual
Schon wieder einen Tag besiegt
Ich schleppe mich hinaus, der Pförtner schenkt Applaus
Und ich weiß, daß er schon morgen wieder singt

Immer immer immer immer wieder.



Aufgenommen bei Stormy in Berlin-Kreuzberg Sommer 1994.

Axel Steinhagen (Gesang, Akkusitk-Gitarre)
Anita Ratai (Flöte, Chor)
Helen Bauerfeind (Violine)
Markus Gerhards (Percussion)
Tilmann Walter (Gitarre)

 
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